Die Anforderungen sind gesammelt, die Softwareentwicklung kann beginnen. Doch im ersten Anwendungsfall fehlen Informationen oder Zuständigkeiten. Dann wird sichtbar, was eine Funktionsliste offenlässt: Wer liefert welche Angabe, wer prüft sie und welche Entscheidung soll sie unterstützen?
Während meiner damaligen Tätigkeit bei d&b führte ich SustainSymphony vom Konzept zur cloudbasierten Lösung. Die Plattform sollte Nachhaltigkeitsmanagement in der Veranstaltungsbranche unterstützen. Veranstalter, Spielstätten und Lieferanten bringen dabei unterschiedliche Informationen und Aufgaben ein. akaryon entwickelte die Lösung im Auftrag von d&b auf Basis seiner Technologie.
Den Ablauf hinter den Anforderungen verstehen
Für mich lag die fachliche Aufgabe darin, Wissen und Anforderungen in eine nutzbare Anwendung zu übersetzen. Dazu muss verständlich sein, wie Informationen entstehen und wofür sie gebraucht werden. Eine Eingabemöglichkeit allein beantwortet diese Fragen noch nicht.
Bei einem heutigen Vorhaben würde ich deshalb mit einem repräsentativen Anwendungsfall beginnen. Beispielsweise soll eine Veranstaltung beurteilt werden: Welche Angaben kommen von der Spielstätte, welche von Dienstleistern? Auf welchen Zeitraum beziehen sie sich? Was passiert, wenn eine Information fehlt?
Solche Fragen machen eine Anforderung konkret. Fachverantwortliche und Entwicklung können daran gemeinsam prüfen, ob der vorgesehene Ablauf verständlich und umsetzbar ist.
Verantwortung zwischen Fachseite und Entwicklung verbinden
Der Entwicklungspartner bringt technologische Kompetenz ein. Die Fachseite muss erklären, welche Aufgabe die Nutzer lösen sollen und woran ein geeignetes Ergebnis zu erkennen ist. Produktverantwortung verbindet diese Beiträge und hält Entscheidungen über Änderungen nachvollziehbar.
Eine veränderte Anforderung kann mehrere Stellen betreffen: Datenerfassung, Prüfung, Auswertung oder die Darstellung eines Ergebnisses. Für die Umsetzung würde ich deshalb immer auch die Folgen im vollständigen Ablauf bewerten.
SustainSymphony erhielt 2024 einen PLASA Award for Innovation. Die Auszeichnung würdigte das Produkt und die gemeinsame Entwicklungsleistung. Mein eigener Praxisbezug liegt in der Führung vom Fachkonzept zur Lösung.
Diese Erfahrung auf KI-Projekte übertragen
Auch bei industrieller KI beginnt die Produktaufgabe mit einem konkreten Arbeitsablauf. Welche Information steht zur Verfügung? Wer beurteilt das Ergebnis? Welche Handlung folgt daraus? Die Antworten bilden eine Grundlage, auf der technische Optionen sinnvoll bewertet werden können.
Dein nächster Schritt
Beschreibe einen Anwendungsfall mit Eingaben, Zuständigkeiten und dem benötigten Ergebnis. Gehe ihn mit Fachseite und Entwicklung durch. Wenn Du daraus prüfbare Anforderungen für ein Software- oder KI-Vorhaben ableiten möchtest, sprich mich an.
Quellen und fachlicher Bezug
akaryon: Entwicklung und Auszeichnung, 03.09.2024 | SustainSymphony: Produkteinführung, 29.04.2024
