Die neue Technik ist installiert. Trotzdem müssen Mitarbeitende Dateien umwandeln, Informationen nachfordern oder Ergebnisse erneut übertragen. Wenn gute Einzelgeräte keinen brauchbaren Arbeitsablauf ergeben, liegt die entscheidende Aufgabe an ihren Schnittstellen.
Als Geschäftsführer von Media Logic stand für mich der Arbeitsablauf des Kunden im Mittelpunkt. „Kunden kaufen Workflows“ war der Gedanke, mit dem ich 2012 die Aufgabe in der digitalen Medienproduktion auf den Punkt brachte. Heute beschreibt dieser Gedanke für mich weiterhin eine zentrale Aufgabe industrieller Transformation: technische Möglichkeiten so zu verbinden, dass Menschen damit ihre Arbeit erledigen können.
Der Ausgangspunkt war die Anwendung
Media Logic verband Systeme unterschiedlicher Hersteller zu einem gemeinsamen Produktionsablauf. Dazu gehörte ein vernetztes Speicher- und Archivsystem für die Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin. Dateiformate, Verarbeitung und Speicherung mussten zusammenpassen. Ich verantwortete die Geschäftsführung; die technische Umsetzung verband die Arbeit der beteiligten Teams und Partner.
Was mich an dieser Erfahrung interessiert, ist der Blick auf den Kundenbedarf. Ein System wird dadurch wertvoll, dass es eine Aufgabe unterstützt. Der Weg zwischen Aufnahme, Bearbeitung, Sicherung und erneuter Nutzung gehört deshalb zur Lösung.
Schnittstellen aus Sicht der Arbeit betrachten
Übertragen auf heutige Projekte würde ich eine Schnittstelle zunächst fachlich beschreiben: Was wird übergeben? Was muss der Empfänger damit tun können? Woran erkennt er, dass die Übergabe vollständig und verwendbar ist?
Ein Dateiformat oder eine technische Verbindung beantwortet nur einen Teil dieser Fragen. Ebenso wichtig sind Bedeutung, Zuständigkeit und Umgang mit Änderungen. Wenn zwei Bereiche dieselbe Information unterschiedlich verstehen, kann eine technisch erfolgreiche Übertragung den Arbeitsablauf trotzdem behindern.
Deshalb ist die Beschreibung des Zielablaufs eine praktische Führungsaufgabe. Sie schafft eine gemeinsame Grundlage für Entwicklung, Betrieb und Nutzer. Daraus lassen sich Anforderungen an einzelne Systeme ableiten.
Diese Perspektive prägt meinen Blick auf KI
Bei KI stellt sich heute eine ähnliche organisatorische Frage: Wie wird aus einer erzeugten Antwort ein brauchbares Arbeitsergebnis?
Meine Einordnung beginnt beim vorgesehenen Einsatz. Welche Aufgabe soll unterstützt werden? Welche Quellen sind dafür maßgeblich? Wer prüft das Ergebnis, und wie kommt es in den nächsten Arbeitsschritt?
Ein überzeugender Demonstrationstext beantwortet diese Fragen noch nicht. Ein begrenzter Test mit einer realistischen Aufgabe kann dagegen zeigen, wo die Unterstützung trägt und wo Nacharbeit entsteht.
Mit dem Übergang zwischen zwei Arbeitsschritten beginnen
Für ein Transformationsvorhaben würde ich zuerst einen Übergang auswählen, an dem heute Rückfragen oder Medienbrüche auftreten. Gemeinsam mit den Beteiligten lässt sich festlegen, welche Information dort tatsächlich gebraucht wird und wie ein nutzbares Ergebnis aussehen soll.
Anschließend kann eine technische Änderung an diesem Ablauf geprüft werden. Der Maßstab ist die vereinbarte Aufgabe: Wird sie zuverlässig unterstützt? Werden Voraussetzungen und Grenzen verstanden? Kann der nächste Beteiligte damit weiterarbeiten?
Diese Fragen verbinden meine frühere Arbeit in der Medienproduktion mit heutigen Themen wie Product Governance und industrieller KI. Sie halten die Anwendung im Mittelpunkt der Technologieentscheidung.
Dein nächster Schritt
Wähle einen Übergang, an dem heute Rückfragen oder doppelte Arbeit entstehen. Beschreibe mit den Beteiligten, was übergeben wird und was der nächste Arbeitsschritt benötigt. Wenn Du daraus einen tragfähigen Ablauf für Daten, Medien oder KI entwickeln möchtest, sprich mich an.
